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UN: Vollversammlung wirbt für eine Kultur des Friedens

Von J. R. Nastranis 

NEW YORK (IDN*)  - Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat ein hochrangiges Treffen abgehalten, auf dem über Wege zu einer Kultur des Friedens diskutiert wurde. In einer von multidimensionalen Krisen geprägten Zeit sei es wichtig, die Menschen zu globalen Bürgern zu erziehen, die sich für Gewaltlosigkeit und gegenseitigen Respekt einsetzten, hieß es auf dem Vierten Hochrangigen Forum in New York.

Auf der Tagung, die der Präsident der UN-Vollversammlung (UNGA), Sam Kahamba Kutesa, für den 9. September einberufen hatte, wiesen UN-Vertreter und bekannte Friedensakteure darauf hin, dass Frieden weder die Abwesenheit von Konflikten bedeute, noch sich nach einem Ende bewaffneter Auseinandersetzungen automatisch einstelle. Frieden lasse sich nur durch den Aufbau von Gesellschaften erreichen, die der Vielfalt, Gleichheit, demokratischen Partizipation und dem Recht auf Bildung verpflichtet seien.

Das Forum wird seit 2012 einberufen, um die Bedeutung der 1999 von der UN-Vollversammlung angenommenen Erklärung und des Aktionsprogramms für eine Kultur des Friedens hervorzuheben. Den Vorsitz des Ausschusses, der die Erklärung entworfen hatte, führte damals Anwarul K. Chowdhury.

Die diesjährige Sitzung konzentrierte sich auf die Rollen, die Regierungen, Gemeinde- und Glaubensführer, Bildungsexperten, die Medien und andere Akteure bei der Entwicklung einer Kultur der Gewaltlosigkeit spielen könnten. In der Post-2015-Ära müsse es prioritär darum gehen, eine Vision zu entwickeln, die auf das Wohlergehen aller Völker abziele, waren sich die Teilnehmer einig.

Der Frieden sei ein ferner Traum. Ohne ihn werde es aber keine Entwicklung geben, warnte der Isländer Einar Gunnarsson im Namen von UNGA-Präsident Sam Kutesa. Seit mehr als 70 Jahren bestimme der Wunsch nach Frieden alle Bereiche der UN-Arbeit. Doch Terrorismus, Cyberkriminalität, Menschenhandel und Klimawandel drohten den Traum zunichte zu machen.

Die Agenda für nachhaltige Entwicklung nach 2015, die auf dem UN-Gipfel vom 25. bis 27. September verabschiedet wird, enthalte Ziele, die sich nur durch friedliche und inklusive Gesellschaften erreichen ließen. "Es liegt in unserer Verantwortung, für eine erfolgreiche Umsetzung zu sorgen", so Gunnarsson.

Ähnlich drückte sich UN-Generalsekretär Ban Ki-moon aus, indem er sagte, dass sich das Forum derzeit mit "sehr harten globalen Wirklichkeiten" beschäftigen müsse. Es komme zu schweren Verstößen gegen internationale humanitäre und Menschenrechte, und sogar in den friedlichsten und demokratischsten Gesellschaften komme es zu Übergriffen auf Minderheiten. "Wir dürfen unseren Blick nicht von dem Leid abwenden.Wir dürfen unsere Herzen nicht verschließen."

Ban erinnerte an die Warnung von Mahatma Gandhi, dass es ohne den Respekt gegenüber anderen Religionen keinen dauerhaften Frieden geben werde. Wie Arun Gandhi, der Enkel des indischen Widerstandskämpfers, in einer Rede vor dem Forum erklärte, war sein Großvater nie der Meinung, dass der Nationalismus die Welt retten könne. "Unsere Zukunft und unsere Schicksale sind miteinander verwoben. Der einzige Weg, um in stabilen Verhältnissen leben zu können, ist es, Stabilität zu schaffen. Danach sollten wir trachten."

Bei der Philosophie der Gewaltlosigkeit, die sein Großvater vertreten habe, gehe es um einen persönlichen Transformationsprozess. "Wir sind alle Teil der Gesellschaft,  und solange wir selbst nicht Gewaltlosigkeit anerkennen und leben, werden wir auch keine Regierung bekommen, die an einen Frieden glaubt", so Arun Gandhi. "Der Friede fängt bei uns selbst an."

Der Gandhi-Enkel schilderte, wie ihn der Großvater aufgefordert hatte, einen Stift aufzuheben, den er achtlos weggeworfen hatte. Die Art und Weise, wie Menschen mit den natürlichen Ressourcen umgingen, sei Gewalt gegen die Natur, habe er ihm gesagt. Gewalt äußere sich in Form der Ressourcenübernutzung  und der Beraubung anderer. "Allein in den USA werden Nahrungsmittel im Wert von jährlich 20 Milliarden US-Dollar weggeworfen, während mehr als eine Milliarde Menschen weltweit hungern müssen ", betonte Arun Gandhi.

Eine Kultur der Gewaltlosigkeit gründe auf Liebe, gegenseitigen Respekt, Verständnis, Wertschätzung und Selbstverwirklichung. "Wir müssen unserer Verbindung zur Schöpfung größere Achtung erweisen. Das ist der Zweck unseres Daseins. Diesen Zweck müssen wir erkennen und erfüllen", betonte der Gandhi-Enkel.  

Das Forum diskutierte die beiden Hauptthemen 'Förderung einer Kultur des Friedens im Kontext der Post-2015-Nachhaltigkeitsagenda' und 'Die Bedeutung der Medien bei der Förderung einer Kultur des Friedens' in zwei Arbeitsgruppen.

Bei der Eröffnung der ersten Plattform erklärte UN-Botschafter Chowdhury, dass die internationale Gemeinschaft unbedingt gegen die strukturelle, in den Gesellschaften eingebettete Gewalt vorgehen müsse. In Abwesenheit von Frieden würden sich die Nachhaltigkeitsziele der Post-2015-Entwicklungsagenda nicht erreichen lassen.

Der frühere rumänische Präsident Emil Constantinescu wies darauf hin, dass die jüngsten Volksaufstände in Tunesien, Ägypten und Syrien auf die Abwesenheit eines Dialogs und auf eine ineffiziente Diplomatie zurückzuführen seien. Um Konflikte zu verhindern, bedürfe es einer umfassenden, ausbalancierten Vision, die die Interessen der verschiedenen Ethnien und Glaubensgruppen sowie die Rechte und Verpflichtungen unabhängiger Staatsbürger berücksichtige.

Der ehemalige Generaldirektor der Weltkulturorganisation UNESCO, Federico Mayor, erinnerte daran, dass in den letzten 25 Jahren phantastische Pläne und Programme entwickelt wurden, die sich dann als "völlig nutzlos" herausgestellt hätten. Dieses Problem sei besprochen worden, doch ein Kurswechsel ausgeblieben. Obwohl jeden Tag Kinder verhungerten, investierten Staaten nach wie vor viel Geld in Waffen.

Der derzeitigen Generation komme die Aufgabe zu, solche Fehlentwicklungen auszumerzen. Die Menschheit sei an einem Wendepunkt angelangt. "Ich bin mir sicher, dass die Maßnahmen, die in wenigen Wochen beschlossen werden, sehr gut sein werden. Doch wir haben bereits unzählige wunderbare Papiere, die nie umgesetzt wurden. Und schon morgen könnte es zu spät sein."

Die Gespräche zur Rolle der Medien bei der Förderung einer Kultur des Friedens wurden von Liberias ständiger Vertreterin bei den Vereinten Nationen, Marjon V. Kamara, moderiert, die den freien und partizipatorischen Informationsaustausch als einen wichtigen Beitrag zu einer Kultur des Friedens bezeichnete.

Ihr bangladeschischer UN-Kollege Abulkalam Abdul Momen betonte, dass die Medien durch das Internet an Reichweite gewonnen hätten. Das Sprichwort, wonach die Feder stärker sei als das Schwert, unterstreiche die Notwendigkeit, die Medien zu ermuntern, zu einem positiven Wandel beizutragen. Die Medien könnten für einen gegenseitigen Respekt werben.

Sharon Bhagwan-Rolls, Gründerin und Leiterin des Zentrums für Gemeindemedien, FemLINKPACIFIC, mit Sitz auf den Fidschi-Inseln, unterstrich den Bedarf an Informationen über Fortschritte oder Misserfolge bei der Umsetzung der Entwicklungsziele. Gleichzeitig müsse die Mitsprache von Frauen in Fragen des Friedens, der Sicherheit und der Entwicklung gewährleistet werden.

"Wer macht die Nachrichten, und warum sollten sie an patriarchalen Machtmustern festhalten?", fragte sie. Sie forderte die UN-Staaten auf, auf die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften einzugehen. Es müssten Regeln und Bestimmungen zum Schutz der Vielfalt, der Machtdezentralisierung und zur Nachhaltigkeit von Frieden und Entwicklung geschaffen werden. (Ende/IPS/kb/15.09.2015)

*IDN-InDepthNews ist Kooperationspartner von IPS Deutschland

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UN-Vollversammlung – Bild: Wikimedia Commons

Link:

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